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Celeri 19 - September 2007
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Das Lob der Dritten

Von den Vorteilen, des Altwerdens und -seins schwärmen nur die Alten. Sie sind dabei schlechte Werbetexter. Man kriegt keine Lust auf das Produkt.
Noch einmal jünger? Um Gotteswillen, wehren sie ab. Auch das überzeugt nicht so recht. Es hat ja niemand die Wahl, und etwas abzulehnen, das man ohnehin nicht bekommen kann ... Das erinnert an die armen Schlucker, die zwar jede Woche Lotto spielen, aber bei jedem vorüberfahrenden Sportwagen erzählen, wie froh sie sind, so was nicht am Hals zu haben. Allein der Spritverbrauch. Gelegentlich liest man von Alten verfaßte Lobpreisungen des Älterwerdens. Was man jetzt alles machen kann. So viel Zeit. Und was alles wegfällt. Daß man nun die Ernte einfahre. (Welche Ernte?) Älterwerden hat praktisch keine Nachteile. Das Lob der dritten Zähne. Keine Zahnschmerzen mehr. Keine Angst mehr vorm Zahnarzt.
Älter werdend, so hört man, lernt man dazu und gewinne an Scharf- und Weitblick, werde abgeklärter, ja weiser. Man durchschaue die Sachen gründlicher. Usw. Früher glaubte ich ebenfalls, Durchblich zu haben. Daran hat sich also nichts geändert.
Heute glaube ich, eine Sache besser zu verstehen, als die Jüngeren. Früher glaubte ich, eine Sache besser zu verstehen, als die Älteren. Auch daran hat sich nichts geändert.
Es gibt noch mehr Gemeinsamkeiten: Die Abgeklärtheit und Weisheit der Alten führt nicht einmal im Umkreis von zehn Metern zu irgendwelchen Verbesserungen, sondern lediglich zu einer Vermehrung des – Geschwätzes und meistens zu Streit. Die klaren Standpunkte der Jungen führten nicht einmal im Umkreis von zehn Metern zu irgendwelchen Verbesserungen, sondern vermehrten nur das Geschwätz und meistens zu Streit. Auch darin keine Änderung.
Aber jetzt wisse man es eben besser, sagen die Alten. Das sagten die Jungen auch. Auch daran hat sich nichts geändert.
Die Jungen distanzieren sich von den Dummköpfen, die sie einmal sein werden. Und die Alten distanzieren sich von den Dummköpfen, die sie früher waren. Da ihnen die Jungen gegebenenfalls einen Vogel zeigen, verunglimpfen die Alten die Jungen, die sie selbst einst waren. So kurzsichtig, so dumm. Die Vergangenheit kann sich nicht mehr wehren gegen die Verleumdungen der Nachfolgenden.
Die Alten rufen das Unbefriedigende: „Ihr werdet ja noch sehen!“ Die Jungen rufen zurück: „Aber ihr werdet es nicht mehr sehen.“
Vielleicht erzählt man sich das Geschichtchen vom Klügerwerden, um von der Ahnung abzulenken, daß man nach wie vor dumm ist. Vielleicht ist man nun gerade so dumm, wie man früher, als jüngerer, die Alten gehalten hatte. Vielleicht ist der Glaube, weise zu sein, nur eine Alterserscheinung. Wenn alles nachläßt, warum sollen ausgerechnet die geistigen Fähigkeiten zunehmen? (Vielleicht nennt man aus Höflichkeit oder Schmeichelei die zunehmende Vertrottelung ab einem bestimmten Punkt eben Weisheit.) Vielleicht ist Weisheit nicht mehr, als daß man – was im Laufe der Jahrzehnte nicht ausbleiben konnte – einige Regeln und Wahrscheinlichkeiten im Verhalten des Gewohnheitstieres Mensch erkannt hat. Was ist Abgeklärtheit? Abwinken ... kenn ich schon ... Vielleicht ist Abgeklärtheit ein anderes Wort für Abgestumpftheit und das gern erwähnte „Über-den-Dingen-Stehen“ ein anderer Begriff für Apathie.
Leider kann man den Jüngeren, der man war, nicht fragen, was er von dem hält, der man jetzt ist. Aber kennt man die Antwort nicht schon?
Ich wär eigentlich lieber wieder jünger. Von mir aus auch kurzsichtiger, übereifriger, unbedachter, kurz: dümmer. Denn das schadete nichts.
Ich würde gerne noch einmal fühlen, wie es war, von diesem und jenem ‚Unfung’ (zischelt mein reiferes Ich) begeistert und überzeugt zu sein. Vielleicht wäre ich es wieder.

Pro Tag ein Gedanke – August

August 1 Tätigkeiten und Dinge, auf die sich ein Schwerkranker freut. Was er nach seiner Genesung tun möchte. Eine bestimmte Radiosendung hören. Im Stau Zeitung lesen 2 Läßt keine Haß- oder Rachegefühle in sein Leben. Bezeichnet sich als Perlenmensch – jemand, der auch eindringenden Schmutz in Perlen verwandelt 3 Ein Buch – bezeichnenderweise nicht für vegetarische Lebensweise, sondern – gegen Fleischkonsum. So vehement boshaft und haßerfüllt, wie es nur einer hinkriegt, der es nicht hinkriegt, kein Fleisch zu essen 4 Welt der Pannen, Versprecher, Falschmeldungen, Hörfehler, Patzer, Schiefgänge und Versehen 5 Schreibt noch im hohen Alter, als ob er von seinen Deutschlehrer Lob einheimsen möchte 6 Fortschreibung eines Themas von Henri Michaux. Ein Kastanienbaum und ein Ahorn sind ins Gespräch geraten und dabei, sich zu ereifern. Thema: der Mensch. Grundsätzlich sind beide „dafür“, aber jeder aus anderen Gründen. Jeder möchte dem anderen klarmachen, daß seine Gründe der Hochachtung die besseren sind, jeder lobt was anderes, man fällt sich ins Wort. „Soweit kommen wir nie! ... die Beweglichkeit ... aber vor allem: die Helligkeit ... und erst die Geräusche ... wir könnten das nicht ...“ Man stutzt. Geräusche? Helligkeit? Es zeigt sich, daß jeder etwas anderes unter einem Menschen versteht, der eine das Auto, der andere die Bogenlampe. Die Debatte wird hitziger, erneut geht es darum, wer recht hat. Eine Maus kommt vorbei, hört eine Weile zu. „Aber was redet ihr da! Weder das eine, noch das andere ist ein Mensch. Das da“ – sie zeigt auf den Mann, der soeben eine Treppe hinaufgeht – „das da ist ein Mensch. Wißt ihr das wirklich nicht?“ „Dummer Wicht! Als ob wir nicht wüßten, was ein Mensch ist. Der Riesenengerling auf der Treppe ist jedenfalls keiner.“ Die Maus winkt ab. Die beiden reden weiter 7 bot an, mitzuteilen, was man aus alten Frotteemänteln alles basteln kann 8 Kunststückchen: Man roch seine Unterwäsche aus seinen Texten heraus 9 Noch nie wurde ein Gesetz eines Staates für seine Bürger gemacht. Gesetze sind nie dazu da, um zu ermöglichen, daß, sondern, um zu verhindern, daß 10 Er beklagt, daß das sog. geistige Leben die exklusive Angelegenheit einiger weniger geworden sei. Man merkte, daß er aber nicht dafür war, daß sich dieser Kreis erweitere 11 H. W. ist tot. Wie groß wäre seine Freude gewesen, hätte er schon zu Lebzeiten gewußt, daß dereinst an seinem Grab große Namen wie Rumsfeld, Bush, Cheney, Saddam Hussein und sogar Dieter Bohlen, ein- und ausgeläutet von mausiger Lyrik, erklingen würden 12 Es fällt die Entscheidung – sogar mit meiner, wenn auch ungern gegebenen Zustimmung -, daß ich umgebracht werden soll. Weil es besser ist. Erwartungsfrohe, eifrige, ja freudige Stimmung. Bei mir : gemischte Gefühle. Ich soll in ein Zimmer eingeschlossen werden, in das – scheinbar versehentlich – Wasser einläuft. Wenn man es entdeckt, werde ich schon ertrunken sein. Es bleiben mir noch ein halber Nachmittag und etwas Abend. Gibt es zuvor noch etwas zu beenden, zu ordnen? Einiges, fällt mir ein, möchte ich vernichten. Komisches Gefühl : zu wissen, daß man nicht mehr dran weiterarbeiten wird. Ich gehe in die unangenehme Altstadt, wo mittlerweile mein ehemaliges Atelier liegt. Würde ich jemandem begegnen, könnte ich sagen, daß ich bald tot bin (merke aber, obwohl ich niemandem begegne, daß ich mich verhaspeln würde, bei der Suche nach der richtigen, d.h. zwanglosen und dennoch dringlichen Formulierung). Unterwegs fällt mir ein, daß ich den Schlüssel vergessen habe. Drehe um, seufzend bei dem Gedanken, womit nun die wenige verbleibende Zeit vergehen würde, als mir einfällt, daß ich den Schlüssel doch dabei habe, weil ich ihn immer dabeihabe, beginne zurückzugehen, ahne schon, daß mir wieder ein Hindernis begegnen wird, als mir einfällt, daß nun dieser endlose Traumcircus beginnt, die Nummer des Alptraumclowns, die Nummer „Ich komm nicht voran“, und als mir einfällt, daß das alles nur Traum ist, beschließe ich, diese Nummer zu überspringen, das Aufsuchen des Ateliers – wozu überhaupt - zu überspringen und gleich in jenes Zimmer, das überflutet werden wird, zurückzukehren, wo ich prompt allerhand Ungereimtheiten entdecke. Wie soll ich hier jemals ertrinken? 13 Besuch beim Schriftsteller. Arbeitszimmer wie eine Gruft. Fange an, Selbstmord verständlicher zu finden. Was schreibt man hier? Nichts. Was denkt oder redet man hier? Nachrufe auf sich selbst. Nach einer Stunde Genörgel (das wohl „kritischer Geist“ sein sollte), reichte es mir 14 Das Grasbüschel wippte mit seinen zweihundert grünen Halmen. Die Rose schmollte. Die Maus rannte, und die Hinterbeine waren schneller als die Vorderbeine, und sie stolperte. Das Buch erholte sich, aufgeschlagen, im Regen 15 Vor der Aufhebung der Todesstrafe große Hinrichtungswelle. Alle, die unter das Dekret fallen würden, werden noch rechtzeitig erschossen 16 Traum - Hier war es schön wie im Totenreich. Öffnete man die Haustür, so stand man sogleich im Schlafzimmer, aus dessen Fenster man über ein festliches Land blickte, das in der Tiefe lag, im verrauchenden Sonnenlicht eines heißen Sommertags 17 Er erinnerte mich stark an jemanden, ich kam aber nicht drauf, an wen. Die aufrechte Haltung, der Kopf hochgereckt, fast nach hinten geneigt, die nach hinten gestriegelte Frisur, als ob von vorn Starkwind käme. Dann fiel mir’s ein: er erinnerte mich nicht an jemanden, sondern an etwas: eine Zahnbürste 18 „Ziel eines jeden Staates ist die – im Idealfall völlig willkürliche – Maßregelung, Beobachtung, Einengung, Ausnützung, Schikanierung, kurz: die totale Repression und – im Idealfall – Vernichtung seiner Bürger. Und zwar mittels der Gesetze, die für den Staat selbst (d.h. seine sog. Organe) keinerlei Gültigkeit haben. Das weiß (ahnt zumindest) jeder. Entsprechend veranlagte Personen wählen daher den Staatsdienst.“ 19 Idole und Ideale für Idioten 20 Ein Geschenk für einen Vogel: ein Käfig. Ein Geschenk für einen Hund: eine Leine 21 „War mir endlich gelungen, die grundlegende Schwäche des Strafrechts aufzudecken. Es bestand diese in der Koppelung der Strafe an ein Vergehen. Diesem Übelstand bereitete ich sogleich ein Ende, indem ich jedem Bürger vorab eine grundsätzliche Schuld zuerkannte, so daß sich die langwierige Ermittlung der Schuld, die aufwendige Klärung der Frage nach Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit, sich erübrigte und jede Strafe unbedenklich verhängt werden konnte, da sie naturgemäß gerecht war“ 22 Wer sich ernsthaft gibt, ist es nicht; und wer ernsthaft ist, ist nicht ernst 23 Da kommt die Jauche gleich direkt auf den Teller 24 Glaubt allen ernstes, man gehe in ein Konzert, um sich zu entspannen. Hält die Einlullfähigkeit von Musik für deren vornehmste Fähigkeit. Zeigt sich von Schönberg enttäuscht. Bei dem Namen hätte er „was anderes“ erwartet. Fragt sich, ob der es nicht besser konnte? 25 sie stammeln und stottern und nicken sich zu und wissen, stotternd, stammelnd und nickend, wies gemeint war 26 Der Pfarrer glaubte an Gott, aber nicht an KZs. Die seien eine üble Verleumdung, mit der all die verhöhnt würden, die tapfer ihre Pflicht getan hatten und dabei ihr Leben aufs Spiel, zuweilen sogar verloren hatten 27 Man war in den Disput geraten. Es ging darum, ob Tiere auch eine Seele hatten. Zwei Christen waren, aus theologischen Gründen, wie sie sagten, dagegen. Die Tierliebaber waren entrüstet und bekamen bei den Beteuerungen, daß ihre Hunde und Katzen selbstverständlich eine Seele hätten, selbst ganz seelenvolle Augen. Man fragte ihn, was er dazu meine, ob Tiere auch eine Seele hätten? Wieso ‚auch’? wollte er wissen. Na, wie Menschen. Aber Menschen haben doch keine Seele, rief er. Man schrie auf. Aber – beteuerte er – sie, die Seele, sei doch bloß eine Hilfskonstruktion, so wie etwa die Zeit, beides könne man benützen, ohne daß es wirklich existiere. Mit Hilfe der Zeit könne man die Tage besser organisieren, was man mit Hilfe der Seele besser machen könne als ohne, das wisse er nicht, Menschen – und ob sie das denn wirklich nicht wüßten? – Menschen jedenfalls hätten keine Seele 28 Am Straßenrand Wahlplakate. Überlebensgroße Nasen, Augen und Naso-Mundwinkel-Falten – die aufgeschwollen-schwartigen oder ausgemergelt-faltigen Halunken- und Halunkinnengesichter unserer Wohltäter 29 Er sagte so oft Ich, als versuche er, ein Loch zu stopfen, durch das ihm ansonsten alles Mögliche herausfällt 30 Radio. In derselben Sendung Beiträge über neue Musik und neue Lyrik. Die hoffnungsvollen, jungen Talente sind in beiden Sparten jünger als dreißig Jahre und klingen in beiden Sparten älter als achtzig. Das Modernste: in der Lyrik kommt ein Handy vor. Die Musik klingt so, wie man sie sich vorstellte. Für beide Sparten gilt: aus und vorbei 31 Eine Philosophin, die keine abstrakten Begriffe verwendet.

Demographische Entwicklungen unter besonderer Berücksichtigung der Vampire

Modellrechnung. Am 1. September, also in der 36. Woche dieses Jahres, werde ich Vampir, und zwar der erste überhaupt. Riesige Freude. Endlich! Unsterblich. Fliegen-Können und so. Nach einigen Tagen schreite ich zum ersten Mal zur vampirtypischen Nahrungsaufnahme, beiße in den Hals eines Menschen und sauge sein Blut. Schmeckt! Der Mensch wird bekanntlich dadurch ebenfalls Vampir. Am Ende der ersten Woche sind wir zu zweit. Wir sind genügsam und geben uns mit einer Nahrungsaufnahme pro Woche zufrieden, sind am Ende der zweiten Woche also vier. In der dritten Woche acht. Usw. In der zehnten Woche sind wir 1024. An Weihnachten sind wir 131.072, und den Jahreswechsel begehen wir zu 262.144. In der 20. Woche sind wir bereits mehr als eine Million. Irgendwann um die 25. Woche eine delikate Situation: für jeden von uns gibt es noch einen Deutschen, den er aussaugen kann, so daß irgendwann Ende Februar, zwischen der 26. und 27. Woche, alle Deutschen Vampire sind. Jetzt heißt es geschickt vorgehen. Uns zieht es südwärts und ostwärts. Dorthin, wo die Gebärfreudigkeit so erfreulich hoch ist. (Wir denken aus Eigennutz ganz päpstlich: Bloß nicht verhüten. Jeder wird gebraucht. Und wir sind aus denselben Gründen strikte Pazifisten; Nahrung vernichtet man nicht.)
Auf dem Weg in den Süden sind – für einige von uns – die Schweizer ein willkommener Imbiß. Wir sind genügsam. Eine achtköpfige Familie ernährt unsereinen zwei Monate. Theoretisch. In Wirklichkeit nur drei Wochen, denn praktisch sieht es so aus: Nach einer Woche sind wir zu zweit, und von den anderen sind noch sechs übrig. Nach einer weiteren Woche steht’s vier zu vier. Also für jeden von uns noch einmal ...
Die USA schotten sich ab. Macht nichts. Ein paar sind schon eingereist und die Rechnung läuft längst. Selbst wenn es nur einem gelänge (etwa einem der zurückbeorderten Diplomaten, die mit Deutschen auf freundschaftlichem Fuß verkehrten) gibt es nach 28 Tagen keinen gewöhnlichen Amerikaner mehr.
Unsterblich zu sein und mit jener Bürde der Sterblichen, nämlich in einigermaßen regelmäßigen Abständen essen zu müssen, geschlagen zu sein, ist ein Joch. Auch wenn wir weiterhin in bescheidener Weise nur einmal pro Woche trinken sind wir Mitte April, ungefähr in der 32. Woche, in der Situation der 25. Diesmal aber auf Weltniveau. Jedem von uns steht noch ein Weltbürger zur Verfügung. In der 33. Woche – es ist noch nicht Mai – sind wir dann 8 Milliarden 598 Millionen 933 Tausend 600. Die komplette Weltbevölkerung ist vampirisch. Manche haben noch Durst.
Was nun?

Hausaufgaben

Beantworten Sie die eben gestellte Frage
Zählen Sie weitere für Sie gültige, unter Pro Tag ein Gedanke - 1. August angesprochene Punkte auf. Wenn Sie sie erleben, tun Sie so, als seien Sie soeben genesen.

Au Revoir,

Ihr
Rainer Braune

 

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© Rainer Braune, 2006-2014 | Impressum
Stand: 25. Februar 2014