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Celeri 38 - April 2009
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Inhalt

Schwemmholz

Zuverlässige Methode
zur Herstellung moderner Lyrik

Hausaufgaben

(Anm.: Celeri Ausgabe 39 erscheint Anfang Mai 2009)

 

Schwemmholz

Mutmaßungen über den Attentäter. Er (der Gesprächsteilnehmer) stehe nun wirklich nicht im Verdacht (schmunzelschmunzel) ein Waffengegner zu sein, er habe seinem Verein schon manch schönen Preis eingeheimst und über den Addndädr wolle er nicht spekulieren, dessen psychisches Leid könne man nur erahnen (beim dialektverzerrten „psychisch“ ging ihm im Mund mit viel Gepfeif und Gezisch ein Knallfrosch los; unwillkürlich fragte ich mich, ob dr Addndädr sein Geschrei auch in diesem deprimierenden Dialekt, diesem Vorausgestammel der Hölle, ausgestoßen hatte?). Aber er wolle einmal eine Frage stellen, die er bislang vermißt habe. Was (und hier richtete sich ein mahnender Zeigefinger gen Himmel) wäre denn, wenn sich herausstelle, daß dr Addndädr gar nicht psychisch krank (wieder zisch und pfeif!), sondern ganz normal gewesen sei? – Preisverleihung. Eine weibliche Person mit einer starken Ausstrahlung von Unbedeutendheit bedankt sich. Ja, sie bekenne, sie habe das Buch geschrieben. Ja, es sei ein Abrechnung. Nein, sie nehme kein Wort zurück. Weil: Es sei ein Befreiungsschlag und bitter nötig gewesen. Im übrigen sei sie harmlos und stehe für Fragen zur Verfügung. Ich weiß nicht, was furchtbarer ist: ihr zerbeultes Hochdeutsch oder der darunter zum Vorschein kommende Dialekt. Dialekt kann nett sein; hier wirkt er wie die sprachgewordene Beschränktheit. Das Buch: Mit ihrem zwanghaft pampigen Stil schien sie andeuten zu wollen, daß sie über „der ganzen Kacke“ stehe und sie sich von nichts beeindrucken lasse. Wieviel Schriftsteller müssen mit wieviel Eltern abrechnen, bis endlich die Leser kotzen? Wie nichtssagend muß eine Beziehung sein, ehe sie wirklich so unbeschreibbar ist, daß sie tatsächlich nicht mehr beschrieben wird? Ich stelle mir ihr sog. „Zielpublikum“ vor, fröstele, klatsche aber artig mit – Besuch in der Synagoge. Man ist praktisch sofort beim Thema. Judenverfolgung. Über nichts kann in der Synagoge erzählt werden kann, ohne darauf zu sprechen zu kommen. Mitgliedszahlen der jüdischen Gemeinde 1933 und 1945, ergänzt durch die heutige Zahl. Ein alter Herr vermutet eine „Ausreisewelle“. Die Vermutung erweist sich als falsch. Der alte Herr will wissen, ob denn eigentlich niemand daran denke, endlich einmal zu vergeben, einen Schlußstrich zu ziehen und zu vergeben. Wieviel Zeit denn noch vergehen müsse? Er habe die Zeit doch auch „mitgemacht“, eine wahrhaft schreckliche Zeit, und er, als Zeitzeuge, wisse also, wovon er rede, aber er habe doch auch verziehen. „Was denn?“ entfährt es mir. Er fixiert mich und fragt, ob ich denn glaube, daß es für sie leicht gewesen sei? „Was denn?“ höre ich mich wieder sagen. Über diese Zeit werde immer nur von Leuten geredet, die nicht dabei waren und sich nicht vorstellen könnten, wie es damals war. Und man höre auch immer nur von einer Seite, einseitige Berichterstattung sei aber schlecht. Man müsse auch die andere Seite hören. Es habe auf beiden Seiten Unregelmäßigkeiten gegeben, auf beiden. Und er frage sich, ob es denn nun nicht endlich an der Zeit sei, einen Schlußstrich zu ziehen und zu vergeben. Wieviel Zeit denn noch vergehen müsse? Ich schlage ihm vor, sich vorzustellen, seine Familie, seine Kinder und Enkelkinder seien umgebracht worden. Wieviel Zeit würde er veranschlagen, bis er bereit wäre, zu vergeben? Er ist empört. Das sei doch nicht vergleichbar. Ob ich das denn nicht merke? Ob man sich denn immer wieder und wieder in Schuldgefühlen wälzen müsse. Ich sage, daß er nicht den Eindruck macht, sich in Schuldgefühlen zu wälzen. Das tue er auch nicht, das habe ich ganz richtig gesehen. Er habe längst verziehen. „Was denn?“ frage ich schon wieder.

Zuverlässige Methode zur Herstellung moderner Lyrik

Den Trick der modernen Lyrik hatte ich schnell raus : überraschende, weil möglichst abgelegene Adjektive, ja überhaupt unerwartete Wörter. Ein eigenes, modernes Werk hatte ich aus einem Gedicht Mörikes schon mit Erfolg hergestellt, indem ich die zunächst die Adjektive gegeneinander ausgetauscht oder durch neue ersetzt hatte. Die vollständige Modernisierung erfuhr das Werk aber, als ich auch Verben und Substantive durch welche ersetzte, die ich der Zeitung entnahm. „Thermoskanne“ hätte ich gern untergebracht, aber es paßte nicht in das Versmaß hinein. „Speer“ verlieh dem Ganzen eine antikisierende Note; dabei hatte ich das Wort aus den Sportseiten. Meine Mitschüler waren beeindruckt. Auch der Deutschlehrer ließ es sich zweimal vorlesen. Es brauchte eine Weile, bis er ein Urteil wagte (es kam ihm wohl irgendwie bekannt vor). „Motor läßt sein ahnend’ Lied, wieder knattern in die Grüfte/Blaue, unbekannte Speere/ritzen absichtsvoll den Schmied/Stadt wie Land voll morscher Düfte“ usw.). Zunächst äußerte er Zweifel, ob die Betonung von „Motor“ auf der ersten Silbe korrekt sei. Dann lobte er mich. Er sei von dem altertümlichen Duktus beeindruckt, den ich erzielt habe. Bei „Schmied“ und „wie Land“, da müsse er unweigerlich an Wieland den Schmied denken. Ich schmeichle ihm, indem ich gestehe, wie verblüfft ich sei, daß darauf jemand gekommen sei.

Hausaufgaben

Werden auch Sie moderne/r Dichter/in und stellen Sie ein hübsches Stückchen Lyrik her.

Ihr
Rainer Braune

 

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Stand: 25. Februar 2014