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Celeri 40 - Juni 2009
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Inhalt

Schwemmholz

Antworten

Hausaufgaben

(Anm.: Celeri Ausgabe 41 erscheint Anfang Juli 2009)

 

Schwemmholz

Bahnhofsvorplatz. Eine junge Obdachlose. Rügt ihren Hund, der sie bei einem Handy-Telephonat stört. Als ich wieder mit der Zeitung aus dem Bahnhof komme, hat sie ein gerötetes Gesicht, sieht verweint aus. Als oben, auf der Rampe, ein Zug einfährt, sieht sie mit schmerzlichem Gesicht hinauf und bekreuzigt sich – d Sprach war falltsch man durft nicht viel und wenn man sagte „das“ wenn man hätt sagen sollen „es“ gings nicht niemand verstand und war wie Kopf in Stachelstrauch – Alter Mann nach der Operation auf der Intensivstation. Der Eingriff war schwer, er wacht nur sehr langsam auf. Man beugt sich über ihn, fordert ihn auf: „Sagen Sie mal was!“. Der alte Mann nimmt mühsam mehrere Anläufe und röchelt schließlich: „Heil Hitler.“ – Macchiavelli: In jedem großen Menschen steckt ein gewöhnlicher Mensch. Von hämischen Kleingeistern so verstanden: Jeder große Mensch ist nur ein gewöhnlicher Mensch. Gemeint ist aber: In jedem großen Menschen steckt auch ein gewöhnlicher Mensch. Neben Großartigem das Kleinkarierte. Jesus ging übers Wasser, er ging aber auch zur Toilette – ein kleiner Junge hat zwei Wecker mit dem Zifferblatt einander gegenüber aufgestellt. „Gleich geht’s los“, flüstert er. „Was denn?“ frage ich leise. „Wer besser zeigert.“ – der Reporter gab den Unbeugsamen, der sich nicht abwimmeln ließ, der sich nichts vormachen ließ und war, ganz im Dienste der Wahrheit, mit hartnäckigem Nachfragen beschäftigt. Die Formulierungen waren noch nicht so, daß er sie effektvoll falsch zitieren oder entstellen konnte – Bruckner-Symphonie: klingt wie eine Orchesterprobe ohne die Melodiestimmen – Als Fernsehzuschauer war er natürlich schwer gehandicapt. 1 – 4 Stunden tägliche Quatschaufnahme waren über die Jahre nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Da verblödet auch ein Mensch mit ursprünglich gesunder Geistesanlage. Einen klaren Gedanken konnte er weder erfassen, noch formulieren, geschweige denn selber denken. Statt dessen verwies er immer wieder darauf, wie ihn die Bilder „mitgenommen“ hätten („Das mußt du gesehen haben. Sonst kannst du nicht mitreden“). Wenn ihm was zustieß, dann klappte er mit dem Mund wie ein Karpfen der beim Sprung aus dem Wasser auf dem Trockenen gelandet war – das Leben als Veranstaltung, wo man sich was wünschen darf: heute große Wunschvorstellung – Die Wirtschaft war was Schwieriges. Er erläuterte sie unermüdlich. Endlich verstand ich: die Nullen waren das Wichtigste. Dann: der Glaube. Jemand, der nicht glaubt, daß das Stückchen Papier so und so viel wert ist, dem kann man damit nichts abkaufen - Ein kleiner Junge malt unermüdlich und hingebungsvoll lauter kleine Ovale auf ein Blatt Papier. Null um Null. Kündigt sich hier ein künftiges Finanzgenie an?

Antworten
auf Fragen der jungen Schriftstellerin Miriam Miller

1. und 2. Wie kamen Sie zum Schreiben? Woher haben Sie ihre Begabung?
Schon mit etwa vier Jahren fand ich es sehr faszinierend, daß man etwas durch Nacherzählen für andere wiederholbar machen, bzw. die Vorstellung davon in ihren Köpfen erwecken konnte. Ich beschrieb immer – in Gedanken – meinen Heimweg vom Kindergarten nach hause, immer wieder neu und besser. Als ich dann Schreiben konnte, fing ich gleich damit an, alles mögliche zu beschreiben. Woher das kommt? – Keine Ahnung. Vermutlich hat ja jeder ganz bestimmte Talente. Gut, wenn man seiner kennt. Dann weiß man, was man auf der Welt zu tun hat.

3. Wie lange dauerte es, bis Ihr erstes Buch veröffentlicht wurde?
Ca. fünf Jahre wechselnd intensiver Suche meinerseits. Gut war, daß ich gleich von Anfang an auf positive Reaktionen stieß. Als es mit meinem ersten Manuskript aber dennoch nicht klappte, verlor ich die Lust, mich wieder und wieder zu bewerben und schrieb lieber einen weiteren Roman, befaßte mich mit ganz anderen Dingen, schrieb dann noch einen Roman. Das war gut so. Ich konnte mich – unbelästigt – weiterentwickeln.

4. Was raten Sie einem jungen Menschen, der Schriftsteller werden will?
Zunächst: ein Buch schreiben. Wichtig: Bei Ablehnung weiterschreiben.
Selbstkritisch sein; Selbstverliebte schreiben keine guten Bücher. Sich fragen, warum man a) schreiben und b) veröffentlichen will. Sich fragen, ob es wirklich nötig ist, daß man dieses Buch schreibt. Sich fragen, ob dieses Buch eine Bereicherung ist. Sich fragen, ob jemand anders mehr davon hat, als lediglich ein paar Stunden Zeitvertreib. Dann: Geduld, Geduld, Geduld (beliebig oft wiederholen), Hartnäckigkeit, dabei aber nicht verbiestern, verbissen oder pessimistisch werden, sondern gelassen und zuversichtlich bleiben. Viele Autoren erwecken den Eindruck, Schriftsteller seien notwendig schlechtgelaunte Miesepeter. Das ist Quatsch. Schreiben und Lesen sind freiwillig. Also: Nur schreiben und lesen, wenn es Freude macht. Ein Buch zu veröffentlichen ist schön, aber es gibt bei weitem wichtigere Dinge im Leben. Das Leben selbst z.B. Materielle Dinge sollten hier eine – durchaus angenehme - Nebensache bleiben und keinen hohen Stellenwert einnehmen. Einkaufen, Kleidung, Essen, Stuhlgang, o.ä.. mögen wichtig, sogar lebenswichtig sein: aber wenn sie von Neben- zu Hauptsachen werden, dann stimmt etwas nicht. Kassengebimmel mag munter klingen, hat aber nichts mit Lebendigkeit zu tun. Und weil das „wirkliche“ Leben abseits des Kommerz’ stattfindet, tut dies auch die „wirkliche“ Literatur.

5. Wie finden Sie Ihre Themen?
Woher das Interesse für bestimmte Themen kommt, weiß ich nicht. Oft wächst es heran. Ideen für Details und größere Handlungsstränge finde ich auch durch Beobachten und Erinnern (an einen speziellen Urlaub, bei dem ich drei Wochen lang in etruskischen Gräbern herumkroch, brachte mich – nach ca. 20 Jahren! - auf den Gedanken, über Unsterblichkeit zu schreiben). Die Charaktere haben ich anfangs ungefähr vor Augen, aber wie Handlungsstränge verändern und entwickeln sie sich – und verlieren sich manchmal wieder; sie waren nur Trittsteine. Am neuen Ufer braucht man sie nicht mehr, aber ohne sie wäre man nicht hinüber gekommen.

6. Sie schreiben und zeichnen und sind Theaterregisseur. Stört oder ergänzt sich das?
Schreiben und Zeichnen (ich male nicht) sind recht verschiedenartige Tätigkeiten. Schreiben ist schön, Zeichnen ist schöner. Beim Schreiben denkt man zwangsläufig viel. Zeichnen hingegen ist – bei mir – größtenteils eine „gedankenlose“ Angelegenheit. Bei Abwägungen verlasse ich mich voll und ganz auf mein Stilgefühl, entscheide also mit den Augen, nicht mit dem Hirn. Deswegen kann ich, wenn mir vom Schreiben der Kopf brummt, mich ohne weiteres an das Zeichenblatt setzen. Zudem kommen mir in jedem Bereich Ideen für den anderen.
Zum Theater: siehe nächste Frage.

7. Wie kamen Sie zum Theater?
Nach einer Häufung persönlicher Um- und Einbrüche beschloß ich, etwas zu tun, was mir bis dato fremd war. Meine Wahl fiel auf Theater, das ich bislang nicht ausstehen konnte. Ich hatte eine Idee für ein Stück und suchte mir (per Inserat) Mitspieler. Es machte unerwartet viel Spaß, auch wenn ich sehr bald merkte (z.B. eben an diesem Spaß, den ich hatte), daß ich kein Theatermensch war; die „üblichen“ Theaterleute waren ihren Stücken ähnlich: mißgelaunt und angeheitert. Und auch daran, daß ich nach ca. 15 Jahren, als ich im Theater alles getan hatte, was ich hatte ausprobieren wollen, wieder damit aufhörte. Damit aufzuhören war schön, denn selber mit etwas aufhören können ist wichtig. Lieber kündigen, als gekündigt werden. Lieber etwas Neues beginnen, als immer wieder zu kopieren. Nun habe ich „nur“ noch ein Liebhabertheater und das „richtige“ Theater ist mir wieder so fremd geworden, wie es früher einmal war – zu laut, wo Stille, zu nervös, wo Ruhe besser wäre; die Augen zwar immer da, wo was los, aber nichts zu erkennen ist.

8. Stimmt es, daß Sie einmal Zirkusdirektor waren?
Für die Leitung eines Projektes, bei dem Theater und Zirkus verquickt wurden, war ich für einen Sommer „Zirkusdirektor“. Als ich gefragt wurde, habe ich, da mich Zirkus sehr interessierte, sofort zugesagt, obgleich ich die Verbindung Theater/Zirkus ziemlich fragwürdig fand; beide Welten haben kaum etwas miteinander zu tun. Natürlich war ich nicht wirklich richtiger Zirkusdirektor. Es klingt aber recht effektvoll, nicht wahr? Doch so habe ich die Zirkuswelt einmal ein wenig von innen kennengelernt. Zirkusleute sind sehr höflich, aber uns Seßhaften gegenüber auch reserviert bis mißtrauisch. Daß wir in festen Steinhäusern wohnen und mit unserem materiellen Besitz so viel Umstände machen, und deswegen viel Zeit unseres Lebens damit verbringen, arbeiten zu gehen – das ist ihnen höchst suspekt. Beeindruckt hat mich auch, daß Alkohol dort praktisch nicht vorkommt: ein Artist muß stets ausgeschlafen und völlig klar im Kopf sein, und, noch interessanter, Tiere verlieren den Respekt vor Menschen, die Alkohol im Blut haben und lassen sich von diesen nicht mehr dressieren.

9. Was erwarten Sie von der Zukunft des Literatur?
Unsere Märkte sind verdorben und verderben deswegen das, womit auf ihnen gehandelt wird. Profit heißt „soviel wie möglich“. Das Wort „genug“ ist unbekannt. Bücher kommen also dann auf den Markt, wenn hohe Verkaufszahlen zu erwarten sind. Best-Seller. Das sog. „gute“ Buch ist nicht von Interesse. Auch der Idealleser wird entsprechend gesehen. Jemand, der sich länger mit einem (womöglich noch älteren) Buch befaßt, ist ein schlechterer Kunde, als einer, der nach einem Buch gleich zum nächsten (am besten neuen) greift. Die Beurteilung eines Buches nach seinem Unterhaltungswert mißfällt mir sehr. Zudem liebe ich Bücher, die äußerlich schön sind. Davon gibt es aber auf dem gewöhnlichen Markt praktisch kaum welche.

10. Was erwarten Sie vom Literaturmarkt?
Vom diesem Markt ist nicht viel mehr zu erwarten, als von den Profitköpfen, die darauf herumschreien. Ich will nicht den Türsteher machen und sagen, wer in die Literaturdisco reindarf und wer nicht, aber ich würde mir eher mehr Leser wünschen, die in einem (nicht nur meinem) Buch mehr sehen, als einen Belustigungsartikel, die nicht nur zum Zeitvertreib lesen, die auch mal Bücher lesen, die älter sind als sie selber.

11. Ihre Lieblingsautoren?
Als Jugendlicher begann ich mich für Marcel Proust und Jean Paul zu interessieren – weil mir Lehrer, die ich nicht leiden konnte, davon („ungenießbar, krauses Zeug“) abgeraten hatten. Ich lernte sie (die Autoren) allerdings sehr schnell lieben und erkor sie zu meinen Lieblingsautoren. Als ich mit ca. 20 die russische Literatur entdeckte, tat sich für mich eine Welt auf, deren Anziehungskraft seitdem stetig zugenommen hat. Diese Liebe dehnte sich schnell auch auf russische Filme (Eisenstein) und Komponisten (Schostakowitsch) aus.

12. Recherchieren Sie für Ihre Bücher?
Recherche liegt mir nicht. Obwohl sie als Garant einer redlichen Arbeit gilt, kommt sie mir irgendwie falsch vor (und ich frage mich im Stillen: Sollte jemand, der recherchieren muß, das Schreiben nicht besser bleiben lassen?). Mit dem Schreiben ist es ein wenig seltsam: ein Buch hat den Anspruch, vom Leben zu berichten. Aber solange jemand schreibt, nimmt er nicht am Leben teil (und umgekehrt). Ich fände es ausgesprochen komisch, nachzulesen, wie es in einem Land aussieht, weil ich vorhabe, dort die Handlung eines Buches spielen zu lassen. Ab und zu schlage ich im Lexikon ein paar Details (z.B. die genaue Schreibweise eines Städtenamens) nach. Meine eigentlichen „Hilfsmittel“: Vorstellungskraft und Erfahrung, sprich: Erinnerung. Personen und Handlung, manchmal sogar die Intention, „wachsen“ dann beim Schreiben; bis sie „stimmen“.

13. Können Sie etwas davon erzählen, wie Sie schreiben?
Ich schreibe von Hand. Das ist wichtig für mich (Einklang von Denk- und Schreibgeschwindigkeit). Als Zeichner liebe ich den Schreibvorgang an sich. Ich verbessere viel und gern. Das empfinde ich als die eigentliche schriftstellerische Arbeit. Wer nichts zu verbessern findet, taugt vielleicht zum Berufsgenie, aber nicht zum Schriftsteller. Ich schreibe ungefähr dreimal so viel Text, wie später im Buch zu finden ist. Kürzungen sind, vorausgesetzt, man kürzt das Schlechtere und Überflüssige heraus, ein guter und sicherer Weg zur Qualität. Daß viel weniger veröffentlicht wurde, als ich geschrieben habe, ist meine Entscheidung. Ich kenne auch meine Figuren dann sehr gut und könnte von jeder noch viel mehr erzählen.

14. Welche Figuren Ihrer Bücher mögen Sie besonders?
Ich mag viele meiner Figuren, einschl. des Ich-Erzählers. Welche ich nicht mag, das ist glaube ich, sehr leicht zu erkennen.

15. Arbeiten Sie an etwas Neuem?
Momentan schreibe ich einen Roman, in dem es um Unsterblichkeit geht. Die Frage nach dem Thema beinhaltet ein Dilemma: Ich glaube, wir leben in einer Zeit, in der die Künste an ihrem Ende angelangt sind, weil alles bereits gesagt und verwirklicht wurde. Etwas Neues ist nicht mehr zu erwarten, maximal etwas in einem neuartigen, persönlichen Ton. Deswegen steht zum Beispiel ein angehender Schriftsteller vor der unangenehmen Frage, ob er zu diesem und jenem Thema wirklich noch etwas Neues und Eigenes zu sagen hat oder ob er – nach dem Motto „Alles gesagt, nur noch nicht von jedem“ – womöglich nur den Papierberg erhöht. Es gibt Themen gibt, die immer aktuell bleiben, weil sie eben menschlich sind. Aber ich bezweifle, ob es nötig ist, immer wieder Beziehungsgeschichten zu schreiben. Für die Probleme und Mißstände unsere Welt sehe ich hingegen nicht Romanschriftsteller zuständig, sondern Sachbuchautoren und – ganz praktisch – politisch engagierte Menschen. Im übrigen sinkt für mich, nachdem ich das Literaturgeschäft ein Weilchen von innen beobachten durfte, der Reiz, meine Manuskripte in einen Betrieb einzuschleusen, dessen einziges Kriterium der Profit ist.

16. Wie haben Sie auf die Verleihung des Kunstpreises reagiert?
Anerkennung ist etwas Schönes. Aber man sollte sich nicht davon beeindrucken lassen.

17. Welcher Person würden Sie einen Preis verleihen?
Ich würde keine bestimmte Person auswählen, sondern den Preis aufteilen.
Auf alle
die sich nichts vormachen lassen und nicht zum Nachmachen verleiten lassen.
die sich dem Trend zur Vertrottelung widersetzen.
die sich verweigern können.
die lieber nachdenken, als nachplappern.
die Klischees und Floskeln vermeiden.
die lieber tagträumen, als fernsehen.
die lieber faulenzen, als shoppen.
die nicht nur dann etwas tun, wenn es ihnen selbst nützt, sondern die auch für andere etwas tun oder sich für eine Idee einsetzen.
die sich in der Spaß- und Quatschgesellschaft, in der nichts mehr ernstgenommen wird, ihren Ernst bewahren. Leben und Realität sind kein Event.
die unter Lebensstil nicht Einkaufsverhalten und unter Lebensqualität nicht Kaufkraft oder Einkaufsmöglichkeiten verstehen.
die ihre Mitwelt mehr erfreuen, als belästigen.
die mehr geistige, als materielle Interessen haben.
die bescheiden sind.
die lieber sie selbst sind, als jemand anders zu imitieren und die Kraft und Mut haben, einfach sich selbst zu sein, auch wenn es nicht spektakulär, cool, o.ä. ist
die so sind, so denken und fühlen und sich so verhalten, daß sie schon durch ihre Anwesenheit die Welt verbessern.
die es – in welcher Hinsicht auch immer – schwer haben, aber tapfer sind.

Hausaufgaben

Verleihen Sie Preise.
Werden Sie reich durch Nullenmalen.
Träumen sie tag.

Ihr
Rainer Braune

 

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© Rainer Braune, 2006-2014 | Impressum
Stand: 25. Februar 2014