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Celeri 41 - Juli 2009
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Der Konjunktiv von Sein

Hausaufgaben

(Anm.: Celeri Ausgabe 42 erscheint Anfang August 2009)

 

Der Konjunktiv von Sein

Einige Gedanken zum Buch „365 plus Bonus“, von Stefan T. Pinternagel

Es geht um das Ende. Nicht das Ende der Arbeitsbeziehung, der Ehe, des Mietverhältnisses, der Ferien (auch wenn die Leben mancher Menschen kaum mehr als eine Spielart der genannten Varianten gewesen sein mögen), sondern um das Ende des Lebens.
Mancher wird fragen: was geht, um Himmelswillen, mich das an? Dem ist zu entgegnen: Nichts. Diese kleine Gedankenfolge hier ist freiwillig; gewissermaßen für Interessierte.

Die Vorgeschichte: Bei Stefan T. Pinternagel wurde eine, zumindest wenn sie zu spät bemerkt wird, üblicherweise tödliche, Krankheit diagnostiziert. Sein Vorhaben: Eine Art Tagebuch über das erste Jahr mit der Krankheit, in 365 Sätzen, einer pro Tag. Das Buch ist keines, das man liest, um zu sagen: gefällt mir/gefällt mir nicht. Dieses Buch liest man.

Ein Buch über eine tödliche Erkrankung - mancher wird sagen: Ach, wie schrecklich. Ich stimme zu, frage aber zugleich: Wie sehr unterscheidet sich seine Situation von der jedes anderen Menschen? Stefan T. Pinternagel weiß, daß der Unterschied im Umgang mit Tod eine Frage der Ungenauigkeit, des Schärfegrads des Wissens ist; keiner weiß, wann er sterben wird, aber jeder weiß, daß jeder sterben wird. Unruhe kommt auf, sobald in den Nebeln erste unklare und entfernte Konturen auftauchen. Der Titel des Buches läßt sich leicht in eine für alle gültige Variante umformulieren: X minus Bonus (X = die durch keinerlei Rechentricks bestimmbare Unbekannte, unsere Lebensdauer, von der der Bonus, das bislang gelebte Leben, abzuziehen ist. Doch von einer Unbekannten läßt sich bekanntermaßen nicht subtrahieren, auch wenn man die Subtraktionssumme genau kennt. Jeder kann sagen: in 50 Jahren ist alles vorbei. Unangenehm aber ist es, sagen zu müssen: in fünf Jahren ist alles vorbei. Wer älter ist, weiß also mehr. Im Wissen gibt es hier einen ansonsten unzulässigen Komparativ: ungefähr, ungefährer).

Stefan T. Pinternagel hat das Buch ist in der exakt richtigen Sprache verfaßt, nämlich seiner eigenen. Angesichts des Themas werden Fi – und Raffinessen zu Fisimatenten (und ich fragte mich schon manches Mal, ob das nicht generell für Stilisierungen aller Art gilt; zudem das Thema ja nun wirklich jederzeit für jeden ((nur nicht für die Toten natürlich)) aktuell ist; irgendwann haben alle Faxen ein Ende).

Mein erster Zirkusbesuch, ich war damals sechs, hinterließ einen unangenehmen Eindruck. Zunächst verdarb mir der Nachbarsjunge, ein Metzgersohn, die Vorfreude mit seiner Versicherung, daß in jeder Vorstellung der Löwe ausbreche und vier oder fünf Zuschauer verschlinge, vornehmlich Kinder, weil die zarter im Biß seien. Ich erwog eben, unauffällig wieder zu gehen, als ein Mann in Uniform das Programm mit den Worten eröffnete: „Alle im Zelt werden sterben.“ Als er nach einer kleinen Pause fortfuhr: „Alle, die nicht im Zelt sind, werden auch sterben“, entspannte ich mich wieder etwas. Daß die Erwachsenen, denen das Lachen vergangen war, für den Gebrauch untereinander die Lustigkeitsformen Ironie, Zynismus und Sarkasmus erfunden hatten, war mir damals noch unbekannt. Aber ich verstand sehr wohl, daß die kleine Rede als Scherz gemeint gewesen war und verstand zudem, daß sie als solcher mehr als dämlich war. Aber mir wurde auch klar, daß Unangenehmes, wenn es jedem widerfährt, für den Einzelnen leichter zu ertragen ist. In punkto Sterben ist das aber wenig hilfreich, denn zwar sterben alle Menschen, aber bekanntlich nicht alle gleichzeitig. Und so fühlt sich jeder, dem der Sensenmann auf die Schulter tippt ungerecht bevorzugt. (Wäre es eigentlich leichter, in Gesellschaft anderer Sterbender zu sterben?)

Wir sind Gewohnheitswesen. Und als solche wiederholen wir gern Erfreuliches, auch dann noch, wenn die Erfreulichkeit – durch eben die Wiederholung – sich längst verflüchtigt hat. Nach einigen Jahren sind wir uns und unser Leben nun mal gewohnt und lassen recht ungern wieder davon ab. An den Tod, unseren eigenen, können wir uns mangels Einübungszeit nicht gewöhnen. Tod – das geht immer die anderen an. (Es sei aber festgehalten: in unserem an Wiederholungszwängen und Gewohnheiten so überreichen und an Besonderheiten so armen Leben stellt der Tod eine Einzigartigkeit dar.)

Tödlich ist das Leben selbst – vom ersten Atemzug an kein Ausweg. Was machen wir solang?
Bis dahin tun wir so allerhand. Ein aktives Leben gelt als besonders wert- und sinnvoll und danach stirbt sich’s leichter. Erfüllt. Gefüllte Gefäße kippt man anscheinend lieber aus als leere. Leben heißt: aktiv sein.
Stefan T. Pinternagel deutet verschiedentlich Zweifel am menschlichen Tatendrang an. Meistens kommt ja auch nichts dabei heraus; eine Verschlechterung mittels technischer Verbesserung; Rückschritt dank Fortschritt – Unterlassen wäre besser gewesen.
Sind Aktionen nicht mehr als Faxen? Und müssen wir, solange wir können, Faxen machen, weil wir nichts anderes tun können? Und müssen wir, solange wir damit beschäftigt sind, dies als „sinnvoll“ ansehen und bezeichnen?
Wollen, Planen und Tun – das sind die sinngebenden Eckpunkte unseres Lebens. (Ich besaß einmal die selbstverfaßte Biographie eines sog. Industriellen. Untertitel: Ein Leben der Tat. Dazu ein Bild eines Mannes, dem man ansah, daß er auch das Händewaschen auf energische Weise betrieb.) Im Planen und Ausführen übersehen wir aber, daß unser Leben nur zum geringsten Teil allein von uns bestimmt wird. Immer kommt es anders, nicht nur als man denkt, sondern als man beabsichtigt und in die Wege leitet (die antike Tragödie kennt kein anderes Thema).
Interessant ist das „Hätte“. Denn als Menschen kennen wir den Konjunktiv. Was wir alles hätten tun können! Wenn wir nicht diese Tür, sondern die daneben geöffnet hätten! Wir stellen uns dann vor, daß wir tatsächlich anders wollen und tun hätten können – wenn wir nur gewollt oder getan hätten.

Manche bereuen. (Tiere auch?).
Manche beteuern, daß sie nicht bereuen. Diese Beteuerung ist ein wenig in Mode gekommen und gerät oft, ja meistens, etwas zu forsch. Es soll andeuten, daß man aus dem Vollen gelebt hat.
Manche bereuen, daß sie nichts zu bereuen haben.
Manche raten dazu, sich auf den Tod vorzubereiten, indem man sich mit ihm beschäftigt. Dann sei die Überraschung nicht so unangenehm. Aber: Soll man wirklich schon beim Essen an das denken, was davon einige Stunden später in der Toilettenschüssel liegen wird? Und manche machen sich schon zu Lebzeiten allerhand Gedanken, was ihr Ende anbetrifft. Diesen rufe ich zu: laßt es bleiben. Ihr werdet nicht mehr hören können, welche Wirkung die von euch herausgesuchte Musik bei der Trauerfeier macht, werdet nicht mehr überprüfen können, wie eindrucksvoll sich der selbstformulierte Spruch auf dem Grabstein macht, denn – habt ihr es etwa vergessen? – ihr werdet dann tot sein.

Doch nun zurück zum Ende.

Stefan T. Pinternagel deutet an, daß es nicht nur eine Furcht vor dem Tod, sondern auch eine Furcht vor dem Leben gibt; es gibt Schlimmeres als sterben, nämlich lebend nicht leben. Das klingt nach kompliziertem Zaubertrick, ist aber hierzulande eine gängige Verfahrensweise.
Mancher lebt so, daß am Ende niemand, auch nicht er selbst, „schade“ denkt.
Natürlich wissen wir, daß wir alle sterblich sind. Das hindert uns aber nicht, so zu leben, als seien wir’s nicht, als seien wir vielmehr – wenn nicht unsterblich, so doch – in der Lage, etwas zu verschieben („jetzt paßt’s grad schlecht“) oder Versäumtes und Mißlungenes beliebig oft zu wiederholen, bis wir, dereinst im hohen Alter, mit weisem Lächeln unser Süppchen ausgeschlabbert haben und, der ganzen Sache überdrüssig, aus freien Stücken unseren Löffel abgeben und uns dem Jenseits zuwenden, wo neue Aufgaben auf uns warten.
Es geht nicht ohne Bewegung; und jede Bewegung führt auf ein Ende zu; nur in vollkommener Sterilität verändert sich nichts. Wer aber Entwicklung will, der muß sich bewegen, der muß auch das Ende wollen – ansonsten bleibt er auf ewig im Paradies. Aber auch der Erstarrte, der alles bewahren will, wird enden. Besser also, sich zuvor zu bewegen.

Keiner will sterben, aber ewig leben will auch keiner. Man würde es halt gern selbst sagen, wann es genehm wäre. Aber jeder hätte gern ein bißchen mehr Zeit; vermutlich um sie ebenso zu verplempern wie die bisherige. Wahrscheinlich hat jeder von uns im Großen und Ganzen genügend Zeit, nützt sie aber nicht. Zu dumm, wenn erst der Anruf des Hotelportiers, der anfragt, ob wir für die Abreise am nächsten Morgen noch besondere Verfügungen haben, uns daran erinnert, daß wir die Ferien vor dem Fernseher verbracht haben.
Wie dieses „das Leben leben“ geht, das dürfte zu den großen Aufgaben zählen, die jeder zu lösen hat. Und der Umstand, daß das Leben endlich ist, wird wohl irgendwie Teil dieser Lösung sein müssen. (Mich würde interessieren, was Tiere vom Tod „wissen“. Wir wissen nicht, was Tiere wissen. Auch der treueste Hund gibt seinem Herrchen keine Antworten auf dessen Fragen, und seien sie noch so dringlich. Tiere reden nicht. Und wir wissen nicht, was sie von unserer Welt-versteh-und-erklär-Apparatur kennen; Erinnern, Nachdenken, Vermuten, Schlüsse ziehen, Pläne machen – Fähigkeiten, die uns Menschen ausmachen. Und sind wir nicht ganz besonders menschlich darin, daß wir von unserem Tod wissen und an unsere Ahnen ebenso denken können wie an die Ungeborenen?)

Wenn also alle wissen, daß sie sterblich sind, und dieses Wissen aber niemanden sonderlich zu beunruhigen scheint, dann geht Beunruhigung offenkundig nicht von der Tatsache des Todes aus, sondern von der Kenntnis seiner Nähe. Karel Capek schreibt: „Der Gärtner muß glauben, daß das Beste noch kommt.“ Wenn man das nicht tut, dann stellt man – wie jeder Gartenbesitzer weiß – die Arbeit im Garten ein.
Vielleicht können wir gar nicht anders leben, als unsere Sterblichkeit zu ignorieren; zu tun, als würden wir ewig leben und könnten deshalb verschieben, was wir zu tun haben, weil wir leben, leben, immer weiter leben werden, ohne Ende.

Da Spaß und Feier Signaturen unserer Zeit sind, ist Sterben so unzeitgemäß - weil es einen so überaus geringen Spaßfaktor hat und die prositable Feierlaune empfindlich stört.
Life-Stile ist ja groß „in“. Auftritt, Performance, Stile, Ambiente, Inszenierung und dergl. (Was ist Life-Stile? Die kostspielige und zugleich zeigefreudige Art, sein Geld auszugeben. Shoppen ist auf etwa demselben Rang wie Stuhlgang einzuordnen. Darüber redet man nicht, und dabei läßt man sich nicht beobachten. Untergeordnetes wichtig zu nehmen ist, nach meiner Bewertung, ordinär. Und was ist Stil? Nach meiner – privaten – Bewertung: ein Leben unabhängig von Käuflichkeit.)
Feiert viel und mehr ... dieser Rat ist mir unbehaglich. Als ob man dem so einfach nachkommen könnte. Nach meinem Eindruck fehlt den meisten Menschen weniger ein Grund zum Feiern, als die dazu nötige Freude, genauer: die Fähigkeit zur Freude. Natürlich ist „feiern“ und „das Leben leben“ nicht dasselbe. Vielleicht klingt mir „feiern“ auch zu laut, zu sehr nach Registrierkasse und zu angeheitert. An Feiernden fehlt’s in unserer Wellness-Gesellschaft nicht; Feiern ist, als Life-Stile-Komponente, „in“; dax-abhängiges, prosecco-betriebenes Life-Stile-Gehopse derer, die ansonsten ungeniert ihrer Umgebung ihr verdrossenes Gesicht hinhalten, wenn sie nicht bei steigenden Aktienkursen in ihre ekelhafte Feierlaune geraten. Mir wär's lieber, dieses Gefeiere unterbliebe.
Vielleicht will ich Feste nur feiern, wenn sie fallen – von selbst, nicht von mir gefällt.

Stefan T. Pinternagel versucht, wenn ich es recht verstehe (und da Plappermäuler, Ganoven und Aasfresser aller Art eine so auffällige Vorliebe für das Wort „Würde“ hegen, werde ich dasselbe hier unbedingt vermeiden; sogar als Konjunktiv von Sein), Stefan T. Pinternagel also versucht, dem nähertretenden Tod auf achtbare und gehörige Weise zu begegnen und sich davon nicht abbringen zu lassen durch unsere drängende Sehnsucht nach Sicherheit und Trost (von denen wir gleichzeitig wissen, daß nichts und niemand sie uns geben kann).
Schade, daß hierzulande vom Tod nur unter Händeringen und Bangemacherei zu reden ist. Dieses Getue ist stillos und geschmacklos. Es hindert und daran, Ruhe zu bewahren und uns, bis es soweit ist, in aller Hingabe und Freude um unsere Aufgaben als Lebende zu kümmern und zur rechten Zeit auf anständige Weise zum Ende zu kommen. Diese Lärmmacherei verdeckt zudem die Möglichkeit, daß der Tod eine großartige Sache sein könnte, die nicht die Zerstörung unseres Lebens, sondern dessen Erfüllung ist und der wir nicht nur mit Bangigkeit, sondern auch mit Neugier entgegensehen können.

Da der Tod von Natur aus nicht zu ändern ist, gibt es keinen Grund zur Panik. Also bitteschön keinen Radau, keine Randale und kein Lamento, wo Fassung und Gelassenheit angemessen sind. Und bitte gleichfalls keinen Klamauk in letzter Minute. Stefan T. Pinternagel verzichtet auf Koketterien mit dem eigenen Ende, auf launige Sprüche zum Thema Ableben nach Art der Herren Seneca oder Karl Lagerfeld. Stefan T. Pinternagel spricht mit Unbehagen von nun vermehrt bei ihm eintreffenden Tröstungen und Ratschlägen. Er findet sie unbrauchbar; sie taugen nur für den Spielplatz, aber nicht für den Ernstfall. (Epikur etwa sentenzte, daß uns der Tod nichts angehe; denn solange er noch nicht da sei, gebe es uns, und wenn er da sei, gebe es uns nicht – kein Grund also sich aufzuregen. Welchem Kretin wollte er mit dieser geistes-gymnastischen Meisterverrenkung etwas vorturnen? Wer sich selbst und andere mit solchen billigen Falschpielertricks in die Tasche lügen will, dessen Auslassungen über Leben und Tod sind als „inhaltlich veraltet“ auszumustern. Jeder weiß, wie falsch das ist, jeder weiß, daß der Tod auch im Leben schon anwesend ist, und niemand weiß, ob wir im Tod noch existieren werden.) Stefan T. Pinternagel verschont uns mit unverlangten Fragen ebenso wie mit erhofften Antworten, trostreichen Frohbotschaften ebenso wie mit Sprüngen auf dem philosophischen Bock.

Stefan T. Pinternagel bleibt unlachhaft und undramatisch. Er hält fest, daß Sterben unausweichlich und unangenehm ist. Schmerz und eventuelle Wehleidigkeiten nimmt er mit Distanziertheit zur Kenntnis, wenn er auch andeutet, daß – tiefer – durchaus ein Zittern-vor-Furcht zu finden ist. Aber hierin sehe ich eine Haltung, die uns in unserem Bangen angesichts all dieser durchaus furchteinflößenden Ungewißheiten vor Sterben und „Danach“, Halt und Ruhe gibt: Mut und Tapferkeit.

Vielleicht ist das Leben ja gar nichts Besonderes: Vielleicht zählt nicht das Große. Sondern jener unauffällige, in Frieden verbrachte Tag; jener Regen im Morgengrauen; jenes Warten auf dem ländlichen Bahnhof; jenes hervorgerufene Lächeln; jene verträumten Minuten; dieser Augenblick ... wie kurz, nicht wahr, die Tage sind?

Die Rede war von:
Stefan T. Pinternagel. 365 plus Bonus, 2007-2008, MaroVerlag
ISBN 978-3-87512-286-2


Hausaufgaben

Die Inselfrage einmal anders: Angenommen Sie hätten einen Tag zu freier Verfügung:
was würden Sie tun?

Ihr
Rainer Braune

 

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© Rainer Braune, 2006-2014 | Impressum
Stand: 25. Februar 2014